Donnerstag, 27. März 2008

VN: Des Kaysers neue Kleider

Hier nun also zu unseren Schneidererlebnissen in Hoi An. Manch Miturlauber rennt zum Schneider und nimmt einen halben Rucksack Massgeschneidertes fuer ein kleines Vermoegen mit nach Hause.



Im Zug von Danang nach Hue haben wir so z.B. eine Gruppe Schwedinnen getroffen, von denen sich eine fuer $450 unzaehlige Kleider, Blazer, Hosen Roecke, etc. hat schneidern lassen. Guter Deal, wenn man das mit den Preisen bei uns vergleicht, aber wer will als Langzeitreisender schon freiwillig 3-4 Kilogramm mehr im Backpack mit sich herumschleifen. Bei einem 2-Wochen-Urlaub bietet sich hier jedoch die perfekte Moeglichkeit, seine Garderobe aufzustocken (speziell fuer Leute mit Nicht-Standard-Massen).

Idealerweise hat man (Katalog-)Bilder von den Traumklamotten dabei, dann muss man sich nicht mal ausdenken / aussuchen, was man gerne haette, sondern laesst das einfach vom Schneider kopieren. Gleichermassen geht das natuerlich mit mitgebrachten Lieblingsklamotten. Hemden werden ebenso nachgefertigt wie Wintermaentel oder Wanderhosen (wobei bei letzteren zu bezweifeln ist, dass die Materialeigenschaften mitkopiert werden).

Bei einem solchen Unterfangen darf man nicht vergessen, dass der Shopping-Spass auch Zeit kostet. Schneider, Materialien und Preise wollen verglichen werden, Masse muessen genommen werden und geschneiderte Klamotten anprobiert werden. Ist Korrekturbedarf gegeben, geht die Klamote zurueck zur Schneiderstube und ein paar Stunden spaeter ruft die naechste Anprobe. Selbst wenn man in unserer Situation also die Moeglichkeit in Betracht zieht, die neue Garnitur per Post nach Hause zu schicken, um Gewicht zu sparen, laesst sich ein grossangelegter Einkauf nicht im Vorbeireisen erledigen.

Wir haben uns demnach fuer eine Light-Variante entschieden: Fuer Sonja gabs garnix (die Qual der Wahl war zu gross) und Sebastian hat sich sein in Phnom Penh auf dem Markt ergattertes Gluecksgriff-Hemd kopieren lassen (dank Massschneiderei mit einer Aermellaenge, die der Armlaenge gerecht wird). Von zwei Schneidern gabs jeweils ein Hemd - mit (bei genauerem Hinschauen) deutlich unterschiedlichem Ergebnis.



Hemd Nummer 1 mit relativ guenstigem Baumwollstoff kostete US$ 12 und war der perfekte Klon. Der Schnitt leicht auf Sebastian angepasst, alle Naehte doppelt vernaeht (wie nennt man das?) und sogar mit Einlaessen im Kragen, in die man die Teile einschieben kann, die spaeter im Waeschekeller den Boden saeumen. Das Alles, ohne dass Sebastian mehr gesagt hat, als dass er gerne eine Kopie seines Hemdes haette.



Hemd Nummer 2, mit einem etwas teureren Baumwoll-Seide-Material schlug mit US$ 18 zu Buche und war ein Bilderbuch-Flop. Die Naehte sind einfacher Natur (ich wage zu behaupten, dass auch ich das hinbekommen haette), und ich bin mal gespannt, wie viele Waeschen die ueberdauern. Hier mal der Vergleich (Hemd 2 links, Hemd 1 rechts).



An einer Stelle - und das ist uns dummerweise erst spaeter aufgefallen - klafft gar eine Luecke.



Auf die Frage, warum das Hemd nur einfach genaeht sei, obwohl die Vorlage (und die hat gerade mal US$3 gekostet) doppelt genaeht ist, gabs ein lapidares "You didn't say so, you should have told me!" Wer ist hier bitte der Schneider und muesste verstehen, was KOPIE eines Hemdes bedeutet?? Obendrauf fehlte dem Hemd bei der Anprobe die Hemdtasche. Die wurde nach Reklamation aufgenaeht (wenn auch leicht schief). Zu guter letzt - und das versteht wohl keiner unter einer Kopie - hatte die modebewusste Chefin des Ladens gedacht, eine Taillierung, die die Vorlage nicht hatte, wuerde mir besser stehen. Das Hemd kam daher im Slim-Fit, was sicherlich besser aussieht, wenn das Hemd in der Hose getragen wird (immerhin das habe ich dabei gelernt), aber wer bitte traegt auf Reisen schon ein Hemd in den Reise-Shorts???



Fazit: Es gibt krasse Unterschiede zwischen den Shops. Nehmt euch Zeit bei der Auswahl und tendiert zu Schneidern, die viele Fragen stellen, wie genau ihr bestimmte Dinge haben wollt. Legt im Zweifelsfall genau fest, was ihr wollt (ist ja fast wie im Berufsleben, Angebotsverhandlungen lassen gruessen). Mit dem Wissen von heute wuerden wir einen grossen Bogen um Shop Nummer 2 machen und uns zudem mehr Zeit einplanen. Mit einem Tag mehr im Gepaeck haetten wir direkt nochmal ein paar Hemden bei Shop Nummer 1 in Auftrag gegeben.

Shop Nummer 1 (empfehlenswert):


Shop Nummer 2 (NICHT empfehlenswert):

1 Kommentare:

Marcella hat gesagt…

Ich bin ja so froh, dass nicht der Schneider den ich empfohlen habe so schlecht war. Das wäre mir unangenehm gewesen.

Wenn ihr wieder hier seid, könnt ih ja eine Foto-Story für die Bravo machen. Die Anfänge der Foto-Story-Karriere kann man hier doch deutlich sehen :-))