Nun waren wir also trotz urspruenglich anderslautender Planung in Xi'an angekommen, der Heimat der weltberuehmten Terrakotta-Armee (Teil eines grossen Mausoleums) und Stadt, deren Stadtkern noch heute von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist.
Klingt so gesehen vielversprechend. Klang fuer mich - mal wieder Sightseeing-Muede - jedoch lediglich nach Lueckenfueller auf der Durchreise. Wie hatte ich mich nur getaeuscht.
Xi'an war eine der Staedte, die mich total ueberrascht haben. Ohne grosse Erwartungen hingefahren, innerhalb von nur zwei Tagen viel an Programm mitgenommen und dabei noch ein Gefuehl von Erholung gehabt. Wahnsinn (und damit meine ich jetzt nicht, die Art, wie hier Fahrraeder beladen werden)!
Zur Enttaeuschung von Steffen muessen wir nun direkt beichten, dass wir nicht zu DER Terrakotta-Armee gefahren sind. Wir hatten viele unterschiedliche Meinungen dazu gehoert und haben uns fuer eine andere Grab-Anlage mit kleinen Terrakotta-Kriegern entschieden (Hanyangling Mausoleum), die von vielen als besser aufgemacht beschrieben wurde und zu unserer generellen Tendenz passte, nicht ueberall dorthin zu rennen, wo jeder hinrennt.
Bei mir ist der Aufnahmepuffer historischer Daten fuer die naehere Zukunft gesaettigt, insofern war der Lerneffekt klein. Sonja jedoch war fasziniert von den schieren Zahlen an Dingen und Tieren, die mitsamt Herrscher fuer die Nachwelt verbuddelt wurden. Muss ja immerhin sichergestellt sein, dass der gute Mensch auch dann noch alles zur Verfuegung hat, was man so zum Regieren und Leben braucht.
Dabei faellt mir eine skurrile Passage ein, die ich irgendwann letztes Jahr mal zu einer der Grabanlagen gelesen hatte (hah, ich sag doch, mein historischer Puffer ist gefuellt ;) ) und die bestens unterlegt, wie ernst es die Kollegen damals mit dem Nachleben so meinten.
Dort wurde nicht nur das Grab fuer den Herrscher, sondern auch welche fuer seine ranghoechsten Generaele gegraben und ausgestattet - inklusive eigener Armeen fuer die Generaele. Und weil es einer der Generaele mit seiner Armee zu gut gemeint hatte, wurde er noch zu Lebzeiten wegen potentiellem Nachlebens-Putschversuch zum Tode verurteilt. Noch Fragen?
Nach diesem Ausflug ins Geschichtliche, kam mein Aktiv-Teil des Programms und das unerwarteterweise gleich zweimal. Teil 1 fuehrte uns auf die Stadtmauer Xi'ans. Diese hat einen Umfang von 13,6 Kilometern, die erlaufen oder mit gemieteten Fahrraedern erradelt werden koennen. Kein leichtes Unterfangen, die benoetigte Zeit fuers gemuetliche Radeln wird mit 100 Minuten angegeben (genau die Dauer fuer die man die Raeder mietet).
Nach einer dreiviertelstuendigen Foto-Orgie kaum ein paar hundert Meter vom Start entfernt und bei schnell einsetzender Dunkelheit boten sich uns zwei Optionen: Zurueckfahren oder Gas geben und behaupten koennen, den Stadtkern komplett umradelt zu haben.
Keine Frage, wir sind ueber die Stadtmauer geheizt und haben somit die Oberschenkel nicht gerade ideal fuer Teil 2 des Aktiv-Programms vorbereitet, der am naechsten Tag folgen sollte. Dazu in einem separaten Beitrag bald mehr.
Haetten wir gewusst, was uns auf der Mauer erwartete, waeren wir vielleicht doch umgekehrt. Waehrend der Teil nahe des Suedtors (wo man auf die Mauer steigt und Raeder mieten kann) noch relativ gut in Schuss gehalten ist, nimmt weiter in den Parcour hinein die Zahl der Schlagloecher zu und die Beleuchtung - um diese zu entdecken und geschickt zu umfahren - ab. Aua, zum Glueck waren die Fahrradsaettel relativ gut gepolstert! War nichtsdestotrotz eine Gaudi.
Alle Bilder zu Xi'an findet ihr hier.
Donnerstag, 24. April 2008
CN: Xi'an
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3 Kommentare:
Ich sag doch: kuckts euch mal an! :) Nächste Idee des Konfuzius: kommt ihr in der Nähe von Shaolin vorbei? Oder die Berge von Yan'an, wo sich Mao ne Weile versteckt hat. Aber so viel Zeit habt ihr für China glaub ich gar nicht mehr, bald gehts wieder weiter nach Thailand, oder?
Auf alle Fälle wünsch ich mir zum Geburtstag auch so ein Riesengrab (für später, noch brauch ichs nicht ;)
Weder noch, Steffen. Sind aktuell im Suedwesten Chinas bei Lijiang, um nochmal Wandern zu gehen - an beiden Stellen also schon vorbei.
In ein paar Tagen gehts im 28 Stunden Bus ueber die Grenze nach Laos, dort haben wir circa ne Woche und dann ruft auch schon Bangkok, wo meine Schwester am Flughafen abgeholt werden will.
Wegen dem Riesengrab: Habt ihr nicht im Schrebergarten den Huegel-Wall? Grabkammer drunter, grosse Mauer drauf und schon haste Dein persoenliches kleines Weltwunder ;)
Wahnsinns Fotos -Neidfaktor schnellt mal wieder in die Höhe; aber ich verdiene ja jetzt endlich, da lass ich mich von euch einfach für den nächsten Urlaub inspirieren...
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