Montag, 5. Mai 2008

CN: Kulturunterschiede

Wer nach Asien kommt, fuer den wird nicht nur das Verkehrsverhalten befremdlich sein, sondern auch so manch anderes ... Marcella, ich darf Dich doch hier mal zitieren, oder?! ;)

Im Flieger hatten wir einen Geschaeftsmann neben uns sitzen der sich dermassen laut schmatzend mit einem Zahnstocher im Mund rumgefummelt hat und dann seinen Schleim einmal hochgezogen hat, dass uns noch schlechter wurde als uns eh schon war. (siehe hier fuer mehr)
Waehrend das eine Schilderung aus Vietnam war, findet man aehnliche Verhaeltnisse auch in China. Und wenn man dann im Reisefuehrer liest, dass sich Chinesen gerne als am weitesten entwickelte Zivilisation erachten, wundert sich unsereiner, ob so ein Entwicklungsstand mit Verhaltensweisen wie dieser einher gehen?

Hier mal ein paar Beobachtungen: Als wir in China ankamen, war Sebastian erkaeltet und die allgemeine Angewohnheit auszuspucken, wenn einem nach Ausspucken ist, erscheint ploetzlich in einem ganz angenehmen Licht. Sobald sich was im Hals loest, wirds entsorgt. Sehr praktisch. Sebastian fands gut, Sonja fands immer noch widerlich.

Trotz aller praktischer Aspekte wirkts bizarr, wenn man in einer Marmor-Fussboden-Busbahnhofs-Halle steht, einem eine schick angezogene China-Mama mit ihrem Junior entgegenkommt und ploetzlich aus den Untiefen ihrer Kehle einen Klumpen Schmodder hochholt und diesen mitten auf dem glaenzenden Hallenfussboden entsorgt (geht das nicht dezenter?!). Noch ein Beispiel gefaellig? Die sympatische Herbergsmutter fragt einen eben noch, was man denn zum Fruehstueck moechte, dreht sich rum und rotzt lautstark in den danebenstehenden Blumentopf. Immerhin schon besser, da es im Blumentopf keinen stoert, aber mhh, ich hab schon gegessen.

Gerechterweise muss hier jedoch beifuegen, dass solch extremen Situationen die Ausnahme und keine Regel sind, aber sind das Symptome einer weit entwickelten Zivilisation?

Weitere ungewohnte Angewohnheit: Schmatzen beim Essen. Keiner will sehen oder hoeren, was man so im Mund verarbeitet, aber habt ihrs schonmal ausprobiert? Wenn man beim Kauen mal oefter den Mund aufmacht und etwas Luft einzieht, entfaltet das Essen ganz neue Geschmacksdimensionen. Ich bin kein Chemie-Experte, aber mit Sauerstoff und irgendwelchen chemischen Reaktionen ist das doch sicherlich nicht nur subjektive Empfindung?! Probierts einfach mal aus. Natuerlich geht das auch ohne grosse Geraeusche, aber in einem chinesischen Restaurant und deren normaler Geraeuschkullise faellts mit hoher Wahrscheinlichkeit eh nicht auf, ob man schmatzt oder nicht.

Punkt drei auf der Liste der etwas anderen Erlebnisse folgt irgendwann nach dem Restaurant-Aufenthalt: Das stille Oertchen. Und das ist hier so speziell, dass wir dem bald einen eigenen Eintrag widmen.

Generell kann man schliessen, dass Privatsphaere und das Beduerfniss nach Ruhe in China (Asien?!) auf den Geist beschraenkt sind und man diese ganz private Freiheit hier perfekt kultivieren kann.

Hoert sich das zu kompliziert an? Ist ganz einfach: Waehrend um einen rum alle Warteschlangen ignoriert werden, der Sitznachbar im Restaurant ins Handy bruellt und einem die Rauchschwaden um die Nase ziehen, waehrend einem irgendwelche Haendler (und das gilt mehr fuer den Rest von Asien, als fuer China) ihre Ware aufschwatzen wollen oder man inmitten schoener Natur die Idylle wegen laut bruellender, asiatischer Touristen-Gruppen offensichtlich nicht geniessen kann, kann man sich denoch in sich zurueckziehen und Grinsen. Denn man selbst entscheidet ueber die eigene Reaktion auf das Ganze, blendet alle Stoerfaktoren aus und kann inmitten des Trubels ganz gelassen man selbst sein. Perfektes Stressmanagement. Easy, oder (oder auch nicht, Uebung macht den Meister ;))?!

Naja, immerhin. Waehrend man bisher beim Gedanken an Deutschland meist daran gedacht hat, dass die Menschen dort nicht immer so freundlich und relaxt sind, wie man es andernorts kennengelert hat, kann man nun mit dem guten Wissen nach Deutschland zurueckkehren, dass dort die Meisten ihre Gruenen im Stillen entsorgen ;)

6 Kommentare:

Marcella hat gesagt…

Ich werde diese Sitten nie, nie niemals auch nur annähernd neutral finden. Schlimm fand ich auch einen Asiaten in dem Hostel in NZ wo wir uns kennen gelernt haben. Der saß beim Frühstück neben mir auf einer langen Bank, hob sein Bein und pfurzte mal ordentlich in meine Richtung. Nein. Das finde ich weder weit entwickelt nocht lustig.

Aber wo seit ihr denn jetzt? Ihr macht das ja richtig spannend. Der letzte Monat fängt jetzt an für euch. Bin gespannt wie ihr euch hier wieder zurecht findet. Zumindest scheint seit einigen Tagen die Sonne und es ist mollig warm.

david hat gesagt…

Ich kann deinen Erfahrungen nur zustimmen. Für mich sind die Sitten und die Kultur in asiatischen Ländern manchmal auch ziemlich befremdlich...Chinesen sind da ganz extrem!

Steffen hat gesagt…

Hey Rain Man! Einfach in-sich-selbst-zurückziehen und grinsen?? Hört sich entweder nach deftigem Drogenkonsum (Opium?)oder Autismus an. Stell dir vor, in Deutschland setzt sich jemand in den Park (oder noch besser: ne vollbelebte Fussgängerzone in ner Grossstadt)und grinst einfach vor sich hin, wie wird wohl der Rest drumherum reagieren? Zumindest Irritation und ungläubige Blicke sind dir garantiert, manch einer würde sicher gerne die Cops oder gleich die Klapse rufen. Nach meiner Rückkehr aus Neuseeland bin ich ja gleich am Frankfurter Flughafen dreimal mit der relaxten Kiwi-Art angeeckt (nochmal nette Grüsse an den netten Volldepp in Grün von der Einreisekontrolle, die deutsche Bahn und die Tante vom Geldwechselschalter).

Tja, brave new world, vielleicht is man auch nur als Touri so relaxt, wenn man sich nicht im Hamsterrad mitdrehen muss? Ein gewisser Grad an Zivilisation, Kultur oder "Fortschritt" muss noch lange nicht heissen, dass man einen besseren Zustand erreicht hat. So.

Und Asiaten findens eklig, wenn sich Westler die Nase putzen. Muss für nen Ostler auch gruselig sein, wenn jemand einem elefantös den Naseninhalt um die Ohren trompetet :) Yin und Yang halt, alles hat mind. 2 Sichtweisen

Sebastian Kayser hat gesagt…

Stell dir vor, in Deutschland setzt sich jemand in den Park (oder noch besser: ne vollbelebte Fussgängerzone in ner Grossstadt)und grinst einfach vor sich hin, wie wird wohl der Rest drumherum reagieren?

Ich wuerde mal auf zwei Sachen tippen: a) gar nicht erst wahrnehmen, weil eh jeder mit sich selbst beschaeftigt ist oder b) hinter vorgehaltener Hand tuscheln, was denn mit dem los sei (aber das auch nur, weil man selbst verlernt hat, zu Grinsen).

Tja, brave new world, vielleicht is man auch nur als Touri so relaxt, wenn man sich nicht im Hamsterrad mitdrehen muss?

Da ist sicherlich was dran. Mal gespannt, wieviel von dem auf Reisen erlernten sich so auf den normalen Alltag uebertragen laesst.

Und zum Thema Fortschritt, klar, was und wie gut Fortschritt ist, ist ne Meinung und kein Fakt. Insofern laesst sich da auch endlos drueber diskutieren ... Ende der Diskussion (verbringe meine Zeit lieber in der Haengematte)! ;)

Hannah hat gesagt…

darf man sowas schreiben?? -immer dieses Problem mit der political correctness und der eigenen Wahrnehmung...
los Sebastian raus aus der Hängematte -die Zofferei gefällt mir :-)

Sebastian Kayser hat gesagt…

Und gerade ich schreib sowas, der ich doch immer auf kollektive Harmonie bedacht bin. ;)

Sehe kein Problem damit, meine Wahrnehmung derart kund zu tun. Wuesste so z.B. sehr gerne, wie ein Chinese gewisse Verhaltensweisen von uns empfindet (wie war das mit dem Naseputzen, was Steffen erwaehnt hat?).

Und obendrauf: Wer gibt schon was auf verbal angepisst sein, solang es auch in den chinesischen Toiletten Trennwaende gibt und man nicht tatsaechlich ange... wird ;)