Ok, haben China bereits verlassen, muessen aber noch ein wenig aufholen, was das Berichten von dort angeht. Hier also nun etwas zur Wanderung in der Tiger Leaping Gorge.
Als Sebastian von der Tiger Leaping Gorge in China gelesen hatte, stand fuer ihn fest: Da will ich hin ... und nun waren wir da.
Tiger Leaping Gorge, das sind zwei Tage Wandern entlang einer durch Wassermassen geformten Schlucht, die zu einer der tiefsten der Welt zaehlt.
Bei eher bescheidenem Wetter (kalt, Nieselregen) am Start des Trecks angekommen, haben wir uns erstmal bei Jane's Guesthouse gestaerkt und dabei eines der besten Mueslis unserer bisherigen Reise gegessen (nicht, dass wir in Asien viel Muesli gehabt haetten). Lecker!
Ausgeruestet mit unserem winzigen Daypack und einer gelben Plastiktuete voller Snacks gings danach erstmal staendig bergauf (haette uns damals in Neuseeland jemand erzaehlt, wir wuerden mal mit einer Plastiktuete wandern gehen, haetten wir ihn wohl fuer verrueckt erklaert).
Entgegen Sebastians idyllischer Vorstellung fuehrt der Wanderweg uebrigens nicht an in den Fels gehauenen Steilklippen-Simsen entlang, sondern ein gutes Stueck vom Fluss entfernt an der sachte abfallenden Bergflanke. Erst drei Kilometer vom Ziel unserer Tagesetappe (dem Halfway Guesthouse) wurde es rauher.


Die Nacht im Guesthouse versprach interessant zu werden: Nach wenig Sonnenschein den Tag ueber wars knackig kalt und die luftigen Zimmer (wortwoertlich: 1/2 Zentimeter Luft zwischen Fensterrahmen und Wand) ohne Heizung sondern nur mit dicken Decken verstroemten nicht viel Waerme.
Netterweise musste Sebastian zum Essen bestellen in die Kueche und hat dort einen gluehenden Holzkohlepott gesichtet, an dem sich zwei Familienmitglieder waermten. Fuenf Minuten spaeter sassen wir unser Essen mampfend daneben ;)
Die Heimeligkeit sprach sich rum und ruck-zuck hatten wir ein internationales Stelldichein: Spanien, Frankfreich, Italien, USA, Singapur und Deutschland waren vertreten. Besonders lustig war der Italiener, der uebergangslos zwischen Spanisch, Italienisch, Franzoesisch, Englisch und Chinesisch wechselte. Geboren in Italien (mit einer franzoesischen Mutter), eigentlich in Madrid arbeitend, aber bereits seit zwei Jahren in China unterwegs, entsteht so ein Multi-Sprach-Wunder.
Nach geselliger Runde verabschiedeten wir uns in kalte Bett; in voller Montur wohlgemerkt (d.h. inklusive Wollmuetze!).
Tag 2 fing mit Regen / Nebel (Aussicht aus unserem Panorama-Fenster: keine) bescheiden an.


Haetten wir gewusst, wie sich das aendern sollte, haetten wir Sonja keinen Regen-Parka (aka Plastik-Treibhaus zum Anziehen) kaufen muessen (ihre eigentlich Regen-Abweis-Jacke hat sich leider zur Ich-Sauge-Regen-Auf-Jacke gewandelt).
Sebastian konnte sich so bei Sonnenscheinwetter im T-Shirt auf Extra-Tour zum Fusse der Schlucht begeben, vorbei an wackeligen Touri-Gruppen, ueber Wackersteine und selbstgezimmerte Leitern, mitten auf einen Aussichtsfelsen in den tosenden Wassermassen.


Damit nicht genug gabs einen verlaengerten Rueckweg, der dem entsprach, was sich Sebastian urspruenglich ausgemalt hatte. Voellig abseits jeglicher Mitmenschen gings an den Klippen entlang und ueber ausgestorbene Felder durch die Schlucht, bis der Weg irgendwann mitten in einem Bauernhof endete. Die verwunderten Blicke der Bauern sprachen Baende; das letzte Mal, dass jemand den Streckenabschnitt wanderte, war wohl schon etwas her.

Alle Bilder findet ihr hier.
Montag, 5. Mai 2008
CN: Tiger Leaping Gorge
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3 Kommentare:
Ich war ja Vatertag im Siebengebirge wandern. Auf den Drachenfels und zur Löwenburg habe ich es geschafft. Meine Waden tuen mir heute noch weh!!
Neidfaktor mal wieder hoch -trotz des Wetters. Mußte übrigens sehr schmunzeln bei der Passage mit der Plastiktüte -wenn ich da an Euer Entsetzen nach dem Milford-Track denke (und das ja zu Recht).
Und dann noch eins: natürlich war es sehr nett von den Chinesen Sebastian mit zum Anfang des Tracks zu nehmen, aber wo ist Sonja denn geblieben??
Koestlich Marcella, keine Ahnung wie hoch das war, aber es hoert sich dramatisch an :)
@Hannah: Sonja wer, wie??? ... Ich wusste doch, dass ich was in China vergessen hab ... :)
Neee, Sonja hat geahnt, was kam und ist bereist Mittags (nach der Haelfte der Strecke) mit nem anderen Paerchen zurueck zum Start gefahren und hat mir das Verausgaben ueberlassen.
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