Samstag, 31. Mai 2008

Ich packe meinen Rucksack

... und nehme mit, faengt damit an, dass man zuhause umgeben von allen noetigen und unnoetigen Dingen vor der Qual der Wahl steht, was fuer die Zeit auf Reisen denn alles wichtig sein koennte. Eins vorab, man schiesst unserer Erfahrung nach uebers Ziel hinaus.



Aber zurueck zum Anfang. Man sitzt also inmitten des "Luxus", viele Schraenke, Abstellplatz fuer alles Moegliche zu haben und ist mit dem begrenzten Fassungsvermoegen des Rucksacks konfrontiert (und genauso wie sich erstere erstaunlich schnell fuellen, ist auch letzterer ruck-zuck voll).



Zu den Fassungsvermoegen unserer treuen Begleiter: Sonja nennt einen 55 + 10 Liter ihr Eigen, Sebastians fasst 60 + 10 Liter (die +10 beziehen sich auf den hoehenverstellbaren Deckel, der je nach Bedarf mehr/weniger Stauraum erlaubt), beide von Deuter wenn wir mal Werbung fuer Produkte machen duerfen, die uns bisher nie im Stich gelassen haben.

Wir hatten uns Folgendes ueberlegt: Heisse und kalte Klimazonen sowie jede Menge Wanderungen stehen auf dem Plan. Wir benoetigen daher kurze/luftige und lange/warme Klamotten sowie unsere Outdoor-Kleidung. Dabei liessen sich schonmal Synergie-Effekte nutzen, denn kurze Wanderhosen lassen sich auch im tropischen Alltag anziehen und haben dabei noch den Vorteil ultra-leicht/schnell trocknend zu sein.

Sebastian hat ergo die deutlich stylischeren, aber auch zigmal schwereren Baggy-Shorts aussen vor gelassen (wuerde er jederzeit wieder machen). Genauso doppelt die lange Wanderhose als lange Hose fuer alle Faelle (die Jeans wurden heimgeschickt, da viiiel zu schwer) und langaermlige Hemden halten sowohl fuer Sonnenschutz beim Elefanten-Reiten als auch fuer Momente her, in denen man serioes wirken moechte.

Daraus lassen sich zwei Prinzipen fuer die Klamottenauswahl ableiten: So leicht wie moeglich und universell einsetzbar.

Klar denkt man sich, dass es schoen waere, stylische Klamotten dabei zu haben, um auch mal schicker Essen oder sonstwohin auszugehen, aber mal ganz ehrlich: Wie oft macht man sowas tatsaechlich und wie oft im Vergleich dazu hieft man seinen Rucksack durch die Gegend?

Wenn ich jetzt so darueber nachdenke, war die beschraenkte Kleiderauswahl im Rucksack kombiniert mit dem Ungezwungenen des Reisens sogar sehr entspannend. Ich kann mich nicht entsinnen, mir jemals ueberlegt zu haben, welches T-Shirt oder Hemd denn nun besser zu einer Hose passt, man greift einfach in den Rucksack und nimmt das, was noch nicht schmutzig ist. Und nur, um das nochmal klarzustellen: Dabei kam nicht die Kleiderkombi vom Kayaken in Neuseeland raus. Die war geliehen.



Was uns zum naechsten Punkt bringt: Waesche waschen; eine Option, die wir bei frueheren Kurzurlauben nie bedacht hatten. Da wurde immer passend fuer die Urlaubszeit plus etwas Reserve eingepackt und die Schmutzwaesche erst zuhaus gewaschen. Bei 5 Monaten Reisezeit waere das nicht nur daemlich, sondern allein gewichtstechnisch nicht machbar.

Anstattdessen geben wir unsere Schmutzwaesche ungefaehr einmal pro Woche (je nach Aktivitaetsgrad auch mal weniger oft) zum Waschen. Das kann man fuer +- 1 Euro pro Kilogramm in nahezu jedem Guesthouse oder aber einem der vielen Laundry Service Shops (aka Tanta Emma Laden) an der Strasse machen. Die Guesthouses bringens manchmal auch selbst nur zum Laundry Service oder berechnen stueckweise und nicht nach Gewicht. Wir gehen also eher direkt zum Laundry Service (gemaess der Maxime "spread the wealth", nicht nur bei einem Geschaeft Geld lassen).

Die Waesche bekommt man einen Tag spaeter oder mit Zuschlag auch bereits ein paar Stunden spaeter gewaschen, getrocket und manchmal auch gebuegelt wieder zurueck. Auf die Details der Waesche (Waschmittel, Schleuderzahlen usw.) hat man keinen Einfluss oder aber wir waren zumindest nie versessen darauf, Einheimischen zu verklickern, unsere Waesche doch mit Feinwaschmittel im Schongang zu waschen.

Bisher ist uns jedoch toi toi toi noch Nichts verfaerbt oder eingegangen zurueckgekommen. Lediglich Sebastians Baumwollhemd aus Vietnam sieht aus, als waere es schon ein paar hundertmal oefter geschleudert worden, und Weisses ist nicht mehr ganz so weiss. Noch ein Grund also, Kleidungsstuecke, die einem lieb und teuer sind eher zuhaus zu lassen.

Neben Klamotten gibts dann natuerlich noch andere Dinge wie Duschgel / Zahnpasta & Co, Reiseapotheke, Erste-Hilfe-Set, Buecher, etc. Ziemlich Standard, aber auch hier kommt ploetzlich das Gewicht zum Zuge. Man faengt an, ein gemeinsames Shampoo zu nutzen (Sebastian hat nun Haare wie eine Prinzessin ... Scherz), greift beim Duschgel zur Standardgroesse und nicht zum 20%-Extra-Sparpack oder aber erwischt sich dabei, zwei Buecher im Buchladen gegeneinander abzuwiegen.

Zum Verstauen und Rumtragen des Gepaecks haben sich neben dem grossen Rucksack ein kleiner Daypack bzw. Sonjas Handtasche als sehr praktisch erwiesen. Da kommen die wirklich wichtigen (Reisepaesse, Geld, Flugticket) und teuren (Kamera, MP3-Player) Sachen rein, die man dann mit sich rumtraegt, waehrend man sich somit um die grossen Rucksaecke, die irgendwo im Abstellraum, Hotelzimmer oder Busladefach rumstehen keine Sorgen machen muss.

Da moegen andere Leute anders herangehen und Wertsachen im Hotel lassen, aber uns war das oftmals zu umstaendlich (gerade, wenn wir was weggepackt hatten, brauchten wirs) oder suspekt (in einem Hotel gabs keine Schliessfaecher, der Hotelier packte das Zeug einfach in eine Plastiktuete und diese in die Schreibtischschublade der Rezeption), noch hatten wir je das Gefuehl, auf der Strasse mit unseren Sachen unsicher zu sein.

Unser kleiner Rucksack war also praktisch, manchmal jedoch zu klein. Speziell bei Tagesausfluegen haetten wir uns oft einen groesseren gewuenscht, um Handtuecher, Buecher, Trinken, etc. unterzubringen (Amelie kam mit ihrer grossen Sackhandtasche zur Rettung). Aber auch so haben wir es irgendwie geschafft.

Was wir anfangs dabei hatten, in Australien aber Sebastians Mutter mit auf die Heimreise gaben, war Sebastians Laptop. So ein Teil ist praktisch, man kann zwischendurch Bilder aussortieren oder das an vielen Orten verfuegbare Wireless nutzen ohne immer gleich Kohle im Internet-Cafe zu zahlen. Wir haben sogar ein Paerchen getroffen, die erst ohne in ihre 1-Jahres-Weltreise gestartet waren und sich dann ein Notebook kauften, weil sie ihr Blog anders nicht auf dem neuesten Stand gehalten bekommen hatten. Auf der anderen Seite geniesse ich es, meinen Rucksack wo und wann auch immer ohne Ruecksicht auf kaputt-bare Dinge fallen lassen zu koennen. Ganz zu schweigen davon, dass man damit wieder eine Wertsasche mehr am Hals hat.

Ohne Laptop sind wir dazu uebergegangen, immer einen kleinen Block dabei zu haben, auf dem wir nicht nur spontane Gedanken / Ideen festhalten, sondern auch Blog-Eintraege vortexten. Wir bloggen sozusagen erst auf unserem Block und dann im Blog.



Neben dem Laptop haben wir einiges weiteres nach Hause geschickt und unser Reisegewicht stark reduziert. Alleine auf Tasmanien warens nahezu 12 Kilogramm (!), die via Post nach Hause gingen. In Nordthailand warens nochmal 8 Kilogramm und obendrauf haben wir Diverses unterwegs einfach entsorgt (u.a. meine treuen Golas, moegen sie in Frieden ruhen); was zeigt, dass wir deutlich mehr eingepackt hatten, als wir tatsaechlich brauchten. Spaetestens wenn man mit einem so befuellten Rucksack auf Zimmersuche unterwegs ist und unter der Last fast zusammenbricht, ueberlegt man sich, was man wirklich braucht.



Bei uns kam erschwerend hinzu, dass wir Vieles, was wir im kalten China brauchen sollten, kein bisschen im heissen Rest von Asien brauchten und umgekehrt. Ist man also nur in warmen Gefilden unterwegs, kann man schon einiges an Gewicht einsparen; Sebastians Schwester kam fuer Thailand auf lediglich 8 Kilogramm. Das hat dann nicht nur den Vorteil, dass man leichter reist, sondern auch, dass man vorm Heimflug mehr shoppen kann (sie flog mit 14 Kilogramm zurueck).

Abschliessend wuerde ich sagen, immer im Hinterkopf behalten, dass es so ziemlich alles, was man brauchen koennte, auch unterwegs zu kaufen gibt, man also eher minimalistisch packt und dann sieht, wie es so laeuft und dabei immer an Dave vom Tasman Backpackers denkt, der uns predigte:

"Everything that fits into one backpack is ok!"
Bis auf den kleinen Ergaenzungs-Daypack haben wir es uns zu Herzen genommen und unsere Rucksaecke sind aktuell schon eher zu gross fuer das, was wir zum Reinpacken haben.



Ausfuehrlichere Tipps zum Packen findet ihr u.a. hier.

P.S.: Fuer alle, die es ganz genau wissen wollen, findet sich hier ein aktuelles Inventar von Sebastians Rucksack.
  • 1 Waschbeutel inkl. Inhalt
  • 1 luftige Baumwollhose
  • 1 solide Wanderhose
  • 2 leichte Wandershorts
  • 1 leichtes, saugkraeftiges Mikrofaser-Reisehandtuch
  • 1 Badeshort
  • 4 T-Shirts, 1 Funktionsshirt
  • 3 Hemden
  • 1 langaermlige Weste
  • 1 Schlafsack-Liner (keine Ahnung, wie das auf Deutsch heisst)
  • 8 Unterhosen
  • 2 Paar Wandersocken, 3 Paar Socken
  • 1 Paar Flip-Flops
  • 1 Paar Cross-Country-Schuhe
  • 2 Kniebandagen
  • 1 duenner Schal (Souvenir aus Kambodscha)
  • 5 Buecher (mehr duenne als dicke)
  • 1 Rolle Toilettenpapier
  • 2 Kugelschreiber
  • 1 Edding
  • 1 aufblasbares Reisekissen
  • 1 Satz Wanderbesteck
  • 1 Taschenmesser
  • 1 Packung Ohropax
  • 1 Schlafbrille
  • 1 Erste-Hilfe-Set
  • 1 Rucksack-Raincover
  • 1 Rucksack-Overall
  • 1 Fahrradschloss
  • 3 kleine Vorhaengeschloesser
  • 1 Elektronik-Krimskrams-Beutel (Handyladegeraete, Kabel, Kopflampe, usw.)
  • 1 Ausgabenbuch
  • 1 Tagebuch
  • 1 Kaeppi
  • 1 Sonnenbrille
Krass, hoert sich das viel an (kommt am Flughafen inkl. Rucksack auf etwa 14 Kilogramm) und zugegebenerweise haben sich da eben in den Tiefen des Rucksacks noch ein paar Dinge gefunden, an die wir schon garnicht mehr gedacht haben (geschweige denn, gebraucht haetten).

Denn sie wussten nicht, was sie durch die Gegend trugen ...

5 Kommentare:

david hat gesagt…

Das Taschenmesser darf natürlich nicht fehlen! Sebastian du bist sicher auch ein alter McGyver Freund, oder? ;-)

Sebastian Kayser hat gesagt…

Klaro! Wobei ich gestehen muss, dass ich es neben unseren Wanderungen groesstenteils zum Flaschen oeffnen benutzt habe.

Hannah hat gesagt…

Wozu das Fahrradschloss?? zum Rucksack sichern reicht doch auch ein Kleineres. Und nett von dir, dass du auch für den Rucksack vorsorgst ;-)

Amelie hat gesagt…

Ich hatte aufm Heimflug "NUR" 13,4kg , also net übertreiben...*g*

Sebastian Kayser hat gesagt…

Das mit dem Fahrradschloss erklärt sich leicht.

In Kambodscha bekamen wir ständig Fahrräder ohne Fahrradschloss ausgeliehen, weil dort bewachte Parkplätze gängig (und wohl notwendig) sind. Da wir aber nicht für jedes Mal Fahrrad-vorm-Cafe-oder-Sonstwo-Abstellen Kohle zahlen wollten, haben wir uns für 2$ ein Fahrradschloss gekauft.

Wir hatten immer gedacht, wir könnten es öfter mal brauchen, aber im Nachhinein wäre das Schloss ein guter Anwärter für den "most useless stuff in my backpack"-Award. :)