Sonntag, 27. April 2008

CN: Bis hierhin und nicht weiter!

Entsinnt ihr Euch an die kuerzlich gepostete Reiserouten-Karte mit dem Fragezeichen in der Mitte von Nirgendwo? Ersetzt das Fragezeichen durch ein fettes Stop.



Was war passiert? Ganz urspruenglich hatten wir Tibet auf unserer Wunschliste fuer den China Trip. Dann kamen die Ausschreitungen, Tibet war erstmal dicht und von unserer Reiseplanung verschwunden. Schade!

Was waren wir daher erfreut, in unserem Reisefuehrer folgende Passagen ueber das Oertchen Xiahe im Nordwesten Chinas zu lesen.

Die Fahrt zum 2920 Meter hoch gelegenen Kloster Labrang in der kleinen Ortschaft Xiahe fuehrt durch eine herrliche, abwechslungsreiche Loess-, Wuesten- und Gebirgslandschaft. [...] Ausserhalb des tibetischen Kernlands ist Labrang [...] das groesste lamaistische Kloster [...] was Xiahe auch den Beinamen "Klein Tibet" einbrachte.

Rund 15 km westlich von Xiahe oberhalb des Tals erstreckt sich um das Dorf Sangke das Sangke-Grassland, eine riesige Flaeche grasbewachsenen Weidelands. Fuer 20 Yuan / Stunde kann man bei den Nomaden Pferde fuer Ausritte mieten, und wer will, kann sogar uebernachten.

Kurzerhand haben wir also unsere Reiseplaene angepasst, Xi'an landete als Zwischenstopp auf der Reiseroute und wir fanden uns ein paar Tage spaeter in Lanzhou wieder; einem Wirtschaftszentrum Chinas, von dem aus Busse gen Xiahe gehen.

Wir waren etwas unsicher ob der offiziellen Lage, hatten wir doch kurz vorher in Xi'an jemanden getroffen, der der Meinung war, Xiahe sei gesperrt. Die Info kam aus dem Lonely-Planet-Reiseforum, also nicht aus erster Hand. Auf Nachfrage im Hostel wurde uns gesagt, Xiahe sei offen. Was nun?

Zurueck zur Busstation in Lanzhou. Wir standen dort morgens um 07:00 auf der Matte, konnten aber bis 8:30 nicht fahren, da zum Ticket-Kauf eine Kopie unseres Reisepasses / China-Visums verlangt wurde und der gegenueberliegende Copy-Shop noch geschlossen hatte.

Erste Huerde genommen, sassen wir kurz spaeter im Bus nach Linxia, einer kleinen Ortschaft, in der wir in einem Anschluss-Bus nach Xiahe umsteigen sollten. Die Fahrt dorthin war schonmal vielversprechend. Es wurde knackig kalt (um den Gefrierpunkt), fing an zu schneien und die umliegende Landschaft wurde karg. Genau das, was Sebastian sich erhofft hatte. Sonja sehnte sich derweil nach waermeren Gefilden und trauerte der Thermounterwaesche nach, die wir vor dem Flug nach Asien als unnoetigen Ballast aussortiert hatten.

Knapp 3 Stunden spaeter in Linxia angekommen, wurde es spanisch (und damit meine ich jetzt nicht das Klima).

Ein Busfahrer gestikulierte uns in Richtung seines Buses und rief "Xiahe!". Ordnungsgetreu wollten wir jedoch erstmal Tickets am Ticket-Schalter kaufen und stossen dort auf unerwarteten Widerstand: Die Ticket-Damen wollten uns kein Ticket nach Xiahe verkaufen. Da half auch alles Diskutieren Sebastians nicht, der aus allen Wolken fiel.



Einziges Ergebnis war jede Menge Kopfschuetteln und obige zwei Zettel. Komisch aber, da die Damen uns zwischenzeitlich fast doch zum Bus brachten und uns der Busfahrer urspruenglich zu seinem Bus winkte (nun aber nicht mehr an Bord lassen wollte).

Anstatt prompt nach Lanzhou zurueckzufahren, haben wir uns also mit der Info "Xiahe sei offen." (aus dem Hostel) ausserhalb der Busstation auf die Suche nach einem alternativen Transportmittel begeben.

Ein Taxi bracht uns zu einem Bus, der kurz vor dem Ortsausgang am Tanken war. "Geht der nach Xiahe?", "Jepp, Xiahe!", kaum zogen wir jedoch die Backpacks aus dem Taxi kam das "Jepp, Bus geht nach Xiahe, aber nicht mit Euch!" hinterher (kompletter Dialog natuerlich in Gestikulier- und Schriftzeichen-Zeige-Sprache).



Was eine Willkuer! Da steht ein Bus voll mit Menschen, der dorthin faehrt, wo man hinmoechte, man kommt aber einfach nicht rein ... Seltsames Gefuehl sowas. Warum soll man nicht zu einer oeffentlichen Ortschaft gehen koennen, nur weil jemand so sagt?!

Zurueck bei der Busstation boten uns ein paar Maenner ein Privat-Auto fuer die Fahrt nach Xiahe an. Sonja war das zu heikel. Vorausgesetzt wir waeren dort gelandet - obwohl der Ort offiziell gesperrt ist - haette uns nicht der erstbeste Polizist wieder heimgeschickt? Sebastian war versucht, es drauf ankommen zu lassen (was soll schon passieren?), aber am Ende hat die Vernunft gesiegt und wir sassen mit einer Erfahrung mehr im Gepaeck im Bus zurueck nach Lanzhou.

Wie wir spaeter erfahren sollten, ist Xiahe aktuell offen, aber nur fuer Chinesen und nicht fuer Auslaender. So ein Mist.

Alle Bilder der Odysee findet ihr hier.

CN: Hua Shan

Asien hat bislang stark mit einer Tradition gebrochen, die wir in Neuseeland und Australien gepflegt hatten: Mit den Wanderschuhen raus in die Natur, auf hohe Gipfel und durch einsame Weiten.



Zugegeben, einsame Weiten sind hier etwas schwer aufzutun, aber mit Gipfeln koennen wir nun dienen.



In Tagestrip-Entfernung von Xi'an liegt einer der fuenf heiligen Berge des Taoismus, Hua Shan. Aehnlich wie der namensaehnliche Huang Shan in der Naehe von Shanghai ein Pilgerziel vieler Chinesen. Dass die Berge komplett ueber Treppen zu besteigen sind und zumeist noch Seilbahn oder Busse bis ganz nach oben gehen, mutet fuer unsereins erstmal seltsam an, ist aber so.

In religioeser Inbrunst oder einfachem Fotowahn kann so auch noch Grossmuetterchen den Gipfel bezwingen (wobei man annehmen moechte, dass gerade die Tai Chi gestaehlt auch ohne solche Annehmlichkeiten zurecht kommen wuerde; zu Tai Chi Superomas andermal mehr).





Wir also fruehmorgens aus dem Bett, Wanderklamotten angezogen und mit dem 2-Stunden-Tourbus von Xi'an zum Berg gebrummt, um diesen ohne Verwendung der Seilbahn zu erklimmen. Schade eigentlich, denn haetten wir gewusst, was es oben auf dem Berg noch alles zu erkunden gibt, haetten wir uns den zeitraubenden Aufstieg gespart und haetten uns oben ausgetobt.

Bewegung satt (inkl. faszinierenden Aussichten, geradezu aus den chinesischen Tuschezeichnungen gesprungen, moechte man meinen) hatten wir trotzdem und darauf kommts ja letztendlich an.

Auf dem Berg wird uebrigens eine auffaellige Tradition gepflegt: Liebes-Paerchen lassen ihre Namen in Schloesser eingravieren und verschliessen diese mit den Ketten am Berg. So soll ihre Liebe ewig waehren und bevor eine Trennung erwaegt werden kann, muessen erst beide Partner zurueck zum Berg kommen, ihr Schloss wiederfinden und vor Zeugen aufschliessen. Na dann mal viel Glueck!





Bei teils bissigem Wetter (oben hats geblasen und geschneit) hat Sebastian mit seinen wie ueblich kurzen Wanderhosen fuer jede Menge Erheiterung bei den Heerscharen an Chinesen gesorgt. Lustig eigentlich, denn waehrend wir gut vorbereitet Windjacke, Muetze und Handschuhe anhatten, waren die Lachenden meist nur mit 1-Euro-Plastik-Poncho und Gucci-Handtaeschchen ausgeruestet. Ergo gabs fuer beide Seiten was zu Schmunzeln.

Alle Bilder findet ihr hier.

Donnerstag, 24. April 2008

CN: Xi'an

Nun waren wir also trotz urspruenglich anderslautender Planung in Xi'an angekommen, der Heimat der weltberuehmten Terrakotta-Armee (Teil eines grossen Mausoleums) und Stadt, deren Stadtkern noch heute von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist.



Klingt so gesehen vielversprechend. Klang fuer mich - mal wieder Sightseeing-Muede - jedoch lediglich nach Lueckenfueller auf der Durchreise. Wie hatte ich mich nur getaeuscht.

Xi'an war eine der Staedte, die mich total ueberrascht haben. Ohne grosse Erwartungen hingefahren, innerhalb von nur zwei Tagen viel an Programm mitgenommen und dabei noch ein Gefuehl von Erholung gehabt. Wahnsinn (und damit meine ich jetzt nicht, die Art, wie hier Fahrraeder beladen werden)!

Zur Enttaeuschung von Steffen muessen wir nun direkt beichten, dass wir nicht zu DER Terrakotta-Armee gefahren sind. Wir hatten viele unterschiedliche Meinungen dazu gehoert und haben uns fuer eine andere Grab-Anlage mit kleinen Terrakotta-Kriegern entschieden (Hanyangling Mausoleum), die von vielen als besser aufgemacht beschrieben wurde und zu unserer generellen Tendenz passte, nicht ueberall dorthin zu rennen, wo jeder hinrennt.





Bei mir ist der Aufnahmepuffer historischer Daten fuer die naehere Zukunft gesaettigt, insofern war der Lerneffekt klein. Sonja jedoch war fasziniert von den schieren Zahlen an Dingen und Tieren, die mitsamt Herrscher fuer die Nachwelt verbuddelt wurden. Muss ja immerhin sichergestellt sein, dass der gute Mensch auch dann noch alles zur Verfuegung hat, was man so zum Regieren und Leben braucht.





Dabei faellt mir eine skurrile Passage ein, die ich irgendwann letztes Jahr mal zu einer der Grabanlagen gelesen hatte (hah, ich sag doch, mein historischer Puffer ist gefuellt ;) ) und die bestens unterlegt, wie ernst es die Kollegen damals mit dem Nachleben so meinten.

Dort wurde nicht nur das Grab fuer den Herrscher, sondern auch welche fuer seine ranghoechsten Generaele gegraben und ausgestattet - inklusive eigener Armeen fuer die Generaele. Und weil es einer der Generaele mit seiner Armee zu gut gemeint hatte, wurde er noch zu Lebzeiten wegen potentiellem Nachlebens-Putschversuch zum Tode verurteilt. Noch Fragen?

Nach diesem Ausflug ins Geschichtliche, kam mein Aktiv-Teil des Programms und das unerwarteterweise gleich zweimal. Teil 1 fuehrte uns auf die Stadtmauer Xi'ans. Diese hat einen Umfang von 13,6 Kilometern, die erlaufen oder mit gemieteten Fahrraedern erradelt werden koennen. Kein leichtes Unterfangen, die benoetigte Zeit fuers gemuetliche Radeln wird mit 100 Minuten angegeben (genau die Dauer fuer die man die Raeder mietet).



Nach einer dreiviertelstuendigen Foto-Orgie kaum ein paar hundert Meter vom Start entfernt und bei schnell einsetzender Dunkelheit boten sich uns zwei Optionen: Zurueckfahren oder Gas geben und behaupten koennen, den Stadtkern komplett umradelt zu haben.





Keine Frage, wir sind ueber die Stadtmauer geheizt und haben somit die Oberschenkel nicht gerade ideal fuer Teil 2 des Aktiv-Programms vorbereitet, der am naechsten Tag folgen sollte. Dazu in einem separaten Beitrag bald mehr.

Haetten wir gewusst, was uns auf der Mauer erwartete, waeren wir vielleicht doch umgekehrt. Waehrend der Teil nahe des Suedtors (wo man auf die Mauer steigt und Raeder mieten kann) noch relativ gut in Schuss gehalten ist, nimmt weiter in den Parcour hinein die Zahl der Schlagloecher zu und die Beleuchtung - um diese zu entdecken und geschickt zu umfahren - ab. Aua, zum Glueck waren die Fahrradsaettel relativ gut gepolstert! War nichtsdestotrotz eine Gaudi.

Alle Bilder zu Xi'an findet ihr hier.

CN: Xians Backpacker-Oase

Wenn man im Internet folgende Beschreibung zum "Backpax"-Hostel in Xi'an liest, glaubt man dem, was man da liest, oder nicht?

SUPER LUXURY HOSTEL! SUPER LOW PRICES! ... Built inside an old Luxury Spa in the heart of downtown Xi’an, Backpax is a unique facility combining the character of your favourite hostels, the luxury of the finest hotels, and the comfort of home.
Dazu gibts dann Bilder aehnlich dem folgenden und unwillkuerlich setzt der "Too good to be true"-Effekt ein.



So gings uns zumindest, haben ergo in Xi'an erstmal andernorts eingecheckt (3e International Hotel, direkt neben einem KFC. Spitzen Zimmer fuer 15 Euro). Bei einsetzendem Regen am Nachmittag, haben wir uns an die Hostel-Schilderung und das Woertchen "Spa" erinnert und dachten uns: "Schauen wir doch mal vorbei!".

Und Tatsache, das Teil ist so (und noch besser), wie es auf den Bildern rueberkommt. Vom ersten Moment an, in dem einem das "Welcome!" der eifrigen Hostel-Betreiber entgegenlacht, fuehlt man sich wohl. Sehr relaxte und freundliche Stimmung, die das junge Team verbreitet, die den Schuppen vor zwei Monaten aufgemacht haben.

Das Ganze serviert in einer Luxus-Umgebung, was will man mehr. Wir am naechsten Tag also direkt die Backpacks geschnappt und die Unterkunft gewechselt, konnten daher direkt den heissen Spa-Pool geniesen, dens fuer Umme obendrauf gab.



Aktuell gibts die Zimmer noch zum Discount-Eroeffnungs-Preis von 12 Euro fuer ein Double. Wird sich wohl aendern, wenn sich das Hostel erstmal etabliert hat. Was sich hoffentlich nicht aendern wird, ist die absolut freundliche und engagierte Einstellung des Teams. Weiter so!

Fazit: Wenn ihr in absehbarer Zukunft nach Xi'an kommt, nichts wie hin! Wenn ihr Freunde kennt, die nach Xi'an kommen, weitersagen! ;)

Sonntag, 20. April 2008

CN: Yangshuo / Longsheng

Auch schonmal in ein fremdes Land X gekommen und gedacht "Hey, hier siehts ja aus wie in Land Y!" Wenn man in China nach Guilin und Umgebung kommt und zuvor im Norden Vietnams war, tritt genau dieser Effekt ein.

Die Kalksteinfelsen der Halong Bay findet man suedlich von Guilin bei Yangshuo wieder; ohne das Meer, dafuer aber umgeben von Reisfeldern und kleinen Doerfern. Das heisst, man kann sich ein Fahrrad mieten und frei Schnauze durch die Landschaft fahren, die einem Filmset entnommen sein koennte. Nicht ohne Grund schmueckt eine Aufnahme aus dieser Gegend das Front-Cover unseres China-Reisefuehrers.







Deja-Vu Nummer 2 gibts noerdlich von Guilin entlang der Reisterrassen von Longsheng. Wir haben die Vorlage zwar nicht mit eigenen Augen gesehen, aber wir fuehlen uns an die Fotos und Geschichten von Sapa im Nordwesten Vietnams erinnert: Bergdoerfer, Minderheitenvoelker in traditioneller Kleidung und in den Huegeln angelegte Reisterrassen.





Inmitten dieser Umgebung haben wir im Dorf Ping'An eine Nacht in einem der Holzhaeuser am Hang uebernachtet. Zwei rustikale Betten, Pinienholzduft in der Nase und nette Gastgeberin fuer ganze 4 Euro pro Nacht. Sehr schoen.



Einzig der deutlich betriebene und im Ausbau befindliche Massentourismus faellt negativ auf. Morgens werden die Baumaschinen angeschmissen, um neue Gasthaeuser/Geschaefte hochzuziehen und ein paar Stunden spaeter trudeln die Tages-Tour-Busladungen ein. Haette man mal 10 Jahre frueher hier sein sollen. Nun ja, zwischen spaetem Nachmittag und dem naechsten Vormittag ists relativ ruhig, so dass man als uebernachtender Gast einen Hauch von Berg-Idylle auf sich wirken lassen kann. Und die Reisterrassen sind in jedem Fall unbeschreiblich ...

Die Fotos zu Yangshuo findet ihr hier.
Die Fotos zu Ping'An findet ihr hier.

Freitag, 18. April 2008

CN: Heute hier, morgen dort

Wo waren wir seit Shanghai? China ist gross und die moeglichen Ziele mit dem Zug aus Shanghai vielzaehlig ... Wer die winzige Map entziffern kann, weiss evtl. sofort mehr. Alle anderen weiterlesen.



Sitzen heute in Guilin. Die Stadt selbst hat nicht viel zu bieten, die Landschaft aussenrum aber umso mehr und genau in dieser haben wir uns die letzten Tage rumgetrieben. Erst in Halong-Bay aehnlicher Kalkstein-Szenerie bei Yangshuo und dann auf ner "chinesischen Alm" inmitten von Reisterrassen bei Longsheng (Ping'an).

Liebend gerne wuerden wir Euch nun mit den Fotos dazu versorgen, aber am arschlahmen Computer hier braeuchten wir dafuer wohl die ganze Nacht. Evtl. wuerden wir sogar Gefahr laufen, den Flieger morgen frueh zu verpassen, der uns nach Xi'an bringen soll. Wird unser erster Flug in China. Notgedrungen. Am Wochenende drei Stunden vor Abfahrt ein Schlafwagen-Bett zu einer DER Hype-Ziele Chinas zu bekommen ist keine gute Idee, wie wir feststellen durften. Nichtmal fuer morgen haette es was gegeben, daher nun also via Flieger nach Xi'an. Ist mit 100 Euro pro Nase zwar 40 Euro teurer als der Zug, dafuer aber 10 Mal schneller.

Lustig das Ganze, denn eigentlich hatten wir Xi'an beim Verlassen Beijings ja aussen vor gelassen. Mittlerweile hat sich jedoch nach eingehendem Studieren moeglicher Ziele fuer den Rest der China-Reise westlich von Xi'an was Vielversprechendes aufgetan (so was in Richtung Tibet fern von Tibet, Tibet selbst geht ja aktuell leider nicht) und daher landete Xi'an als Zwischenstopp nun doch auf der Liste.

Mit besserem Internet gibts demnaechst mehr zu Erlebtem und die versprochenen Fotos.

Dienstag, 15. April 2008

CN: Shanghai

Wenn man wissen will, wo in China neben Hong Kong wirtschaftlich der Baer abgeht, der komme nach Shanghai.





Jetzt wissen wir auch, warum Beijing von manchen als grosses Bauerndorf belaechelt wird. Weiss zwar nicht mehr, wo genau ich das gelesen habe, aber wenn man durch die Strassen Shanghais schlendert, wird einem der Unterschied sofort klar. Man fuehlt sich wie in einer geschaeftigen Grossstadt, die von Hochhaeusern, jeder Menge Leute, Museen und natuerlich einer entsprechenden Skyline gepraegt ist. Schaut Euch einfach mal das Werbevideo fuer die Expo 2010 an, die in Shanghai stattfindet.

Wenn ich an Beijing denke, denke ich hingegen an flache Hutongs, einen starren Griff der kommunistischen Partei, wie sie bei der steifen Polizeipraesenz auf dem Platz des himmlischen Friedens rueberkommt und an kulturelles Erbe in Form der verbotenen Stadt.

Zurueck zur vibrierenden Wirtschaftsmetropole Shanghai. Wir sind nach Zwischenstopp im Shanghaier Museum (ok, zugegeben, doch wieder etwas Kultur) direkt die zentrale Einkaufsstrasse runter zum Bund, der Fluss-Promenade mit der schoenen Haeuserfront aus Zeiten internationaler Besiedelung Shanghais auf der einen Uferseite und dem wirtschaftlichen Wegweiser hoher Wolkenkratzer auff der anderen.







Auf dem Weg dorthin sind wir am Warehouse No. 1 vorbeigekommen ... sehr enttaeuschend, wenn man falsche Vorstellugen davon hat. Sebastian hatte vor ein paar Monaten einen spannenden Krimi gelesen, der in Shanghai spielte und dort wird neben vielem China-typischen Alltags-Leben auch das Warehouse als Fundgrube fuer alles Erdenkliche erwaehnt. Wir dachten also, es ist ein Art sozialistischer Tante-Emma-Laden auf 10 Stockwerken. Weit gefehlt, Kaufhof laesst gruessen. Sieht in Deutschland (zumindest innendrin) nicht viel anders aus.



Der Bund und das pulsierende Leben auf der Einkaufsstrasse hingegen waren den Besuch wert. Es wimmelt zwar auch hier von Strassen-Verkaeufern aller Arten, aber da hat man sich nach 6 Wochen Asien schon laengst dran gewoehnt und laesst diese mit einem "No, Thank You!" links liegen, waehrend man im Treiben untertaucht.

Nach dem Blick ins moderne Shanghai, sind wir am Tag drauf extra frueh aufgestanden (06:30 Uhr), um uns vor den Touristenmassen zu den Yunnan Gardens und dem vornedranliegenden Teehaus zu begeben. Dort kann man inmitten alter, teils heftig diskutierender (und natuerlich staendig rauchender) Chinesen am Tee nippen, waehrend draussen allmaehlich der Touristen-Rummel beginnt.





Der Herr Schroeder hatte dort auch mal Zwischenstopp eingelegt, sehr populaeres Etablissement also. Den Ruf lassen die sich uebrigens gut bezahlen, ein Pott Tee kostet im Obergeschoss stolze 55 Yuan aufwaerts. Gut, wenn man vorher im Internet recherchiert hat und weiss, dass im Erdgeschoss Tee zu normalen Preisen zu haben ist. Nachdem man also die Aussicht von oben genossen hat, kann man nach unten gehen, um Tee zu trinken. ;)

Die Gaerten selbst waren nicht so, wie wir uns das vorgestellt haetten. Anstatt weiten, ruhigen, gruenen Flaechen, gibts eng verschachtelte Haeuschen durchzogen von dem ein oder anderen Teich und natuerlich bevoelkert von Heerscharen von Touristen. Wir hatten den Besuch mit einem Sonntag zeitlich natuerlich auch nicht gerade ideal abgepasst. Schoen anzuschauen ists aber schon.





Zum Abschluss des kompakten Shanghai-Besuchs sind wir auf der Suche nach einem sympatischen Restaurant zufaellig an einem bevoelkerten Hot-Pot-Restaurant vorbeigekommen. Einziger Punkt auf der Speisekarte: Chinesisches Fondue inkl. seitenweise Zubehoer zum Garen in selbigem. Heisses Erlebnis, uns haben beiden danach die Backen geglueht.





Zwei vollgepackte Tage spaeter standen wir also wieder in der U-Bahn auf dem Weg zum Bahnhof. Erneut, um uns mit einem diesmal 24-Stunden-Zug in ein anderes Eckchen Chinas zu "beamen". Mehr dazu bald.

Der neue Sued-Bahnhof Shanghais, von dem unser Zug abfuhr, ist uebrigens eine Sehenswuerdigkeit an sich. Erinnert mehr an einen futuristischen Flughafen, als an einen Bahnhof. Die Wartebereiche fuer die Zuege befinden sich alle auf einer Art grossem Diskus, der ueber den Gleisen thront. Man wartet dort, bis der Zug eingefahren ist und steigt dann die Treppen zum passenden Gleis hinunter ... nur um festzustellen, dass unter dem futuristischen Diskus auch nur Zuege stehen, wie an anderen Bahnhoefen ;)





Alle Bilder zu Shanghai findet ihr hier.

CN: Beijing. Und dann?

Was macht man, nachdem man in Beijing alles abgehakt hat, was man sehen wollte und auch der grossen Mauer einen Besuch abgestattet hat?

Man geht entweder nach Chengde um sich an der dortigen Tempelvielfalt zu erfreuen, nach Xi'an um die Terrakotta-Armee zu bestaunen oder auf der alten Stadtmauer zu radeln bzw. macht auf dem Weg dorthin im mittelalterlichen Pingyao halt ...

Oder aber, man ist wie wir Kultur-gesaettigt und setzt sich direkt in den Zug nach Shanghai. Bei der ganzen Zugfahrerei werden wir hier noch zu richtigen Zugfahr-Veteranen.



Der Nachtzug nach Shanghai war diesmal ein neumodischer Luxus-Zug. Sehr schoen! Unsere Abteilgenossen (ein junges Paerchen aus Shanghai) waren leider die bisher nervigsten aller Mitfahrer. Waehrend er in die Decke furzte und sie sich totkicherte, kamen wir uns vor wie vor 15 Jahren im Landschulheim (nicht, dass wir das damals gemacht haetten).

Dafuer waren wir dann zeitig morgens in Shanghai um uns auf die Suche nach einem Hostel zu machen und in aller Frische die Stadt zu erkunden.

Alle Bilder der Zugfahrt findet ihr hier.

P.S.: Es zahlt sich uebrigens aus, sich fruehzeitig auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Wir hatten mit Laufen zur U-Bahn-Station, U-Bahn-Fahrt, Anstehen an der Sicherheitskontrolle und Suchen des richtigen Warteraumes ungefaehr eine Stunde gebraucht.

Sonntag, 13. April 2008

CN: Auf DER Mauer

Schonmal das beruehmte Zitat von Mao Zedong bzgl. der grossen Mauer in China gehoert? "He who has not climbed the Great Wall is not a true man!". Man bedenke, dass der Mensch ziemlich voreingenommen war, was China angeht, sollte das also nicht allzu ernst nehmen.

Nichtsdestotrotz ist es ein grossartiges Erlebnis, auf dieser Mauer zu laufen, die einst das chinesische Reich vor den Uebergriffen der Mongolen aus dem Norden schuetzen sollte und mittlerweile auf der Liste der Neuen 7 Weltwundern steht.





Wer sich ueberlegt, genau dies zu tun, hat von Beijing aus mehrere Moeglichkeiten. Mauerabschnitte verschiedenster Erhaltungs-/Restaurierungsstadien liegen mehr oder weniger nah an Beijing.

Nach kurzer Ueberlegung war fuer uns klar, dass wir einen grossen Bogen um das touristische Stueckchen bei Badaling machen und es uns anstattdessen zu einem weniger entwickelten Stueckchen zwischen den Ortschaften Jinshanling und Simatei zieht (120 Kilometer von Beijing entfernt, 10 Kilometer lang).



Um dem Trip den Stress des Handelns in einem Land mit RIESEN-Sprachbarriere zu nehmen, haben wir die Tour direkt im Hostel gebucht, sind also nicht individuell mit Bus oder Taxi angereist. Im Nachhinein wuerden wirs auch genau so wieder machen, denn am Ende des Tages, der frueh um 06:00 mit der Abholung am Hostel beginnt, ist man froh, wenn am Ende des Trips ein warmes Essen sowie der Bus zur Heimfahrt warten und man sich nicht noch mit der einheimischen Taxi-Mafia rumschlagen muss.

Waehrend wir fuer die Tour 220 Yuan pro Person gezahlt hatten und obendrauf Eintritts-Tickets fuer die Mauer erwerben mussten (90 Yuan), gibts die Tour beim Beijing Downtown Backpackers fuer 240 inkl. Tickets. Waere also eine guenstigere Variante. Wir waren mit unserer Tour jedoch zufrieden: Es gab keine Extra-Stopps bei traditionell chinesisch medizinischen Instituten oder sonstigem (sprich Kaffeefahrt) und der Guide, der dabei war, hat fleissig Erklaerungen geliefert und den Damen assistiert, wenns steil wurde.



Der Trip ist aufgrund der teilweise nicht restaurierten Abschnitte kein Spaziergang, jedoch nicht ueberfordernd und keinesfalls so ueber-abenteuerlich, wie es in vielen Berichten zu lesen ist. Man neigt ja immer gerne zur Uebertreibung, wenn man was Spezielles gemacht hat, ne?!





Zwei weitere Varianten, die wir uns mit mehr Zeit im Gepaeck vorstellen koennten waeren: Campen an der grossen Mauer, wie es die Jungs hier gemacht haben oder aber Uebernachten in einem der Hostels, die es an den Eingaengen zu den jeweiligen Mauerabschnitten gibt. Dann kann man auch die Anreise individuell gestalten und sich die Mauer zu Zeiten anschauen, waehrend denen die Tagesausfluegler noch / schon wieder im Bus sitzen.

Alle Bilder des Mauerlaufs findet ihr hier.

Mittwoch, 9. April 2008

CN: Beijing

"Hallo, ich bin der Kayser! Darf ich Euch Normalsterbliche in meinen Palast einladen?!" ;)



Hehe. Erstmal alles von vorne. Beijing ist gross und monumental. Das wird weniger bei den 13,8 Millionen Einwohnern klar - die man eh nicht spuert, weil alles so weitlaeufig ist -, sondern beim Bestaunen der Protzbauten, die den enormen Platz des himmlischen Friedens saeumen und sich in ihren Dimensionen in den direkt angrenzenden kaiserlichen Tempelanlagen, der verbotenen Stadt fortsetzen.









Neben den grossen, menschenbelagerten Sehenswuerdigkeiten, gibts aber auch noch eine weitere, sehr entspannende Seite Beijings. Direkt bei unserem Hostel ums Eck, liegt eine Gruppe kleiner Seen. Umgeben von kleinen Gaesschen und nahezu frei von Autoverkehr eine Ruheoase par example. Nach den eng gedraengten Grossstaedten in Kambodscha und Vietnam, die sowas nicht bieten konnten eine willkommene Abwechslung.





Die genossene Entspannung werden wir so direkt morgen in Bewegungsenergie umsetzen und unsere hoffentlich noch existente Fitness (die Wetten stehen gegen uns) an einem Teilstueck der grossen Mauer versuchen, welches fuer seine steilen Teilstuecke bekannt ist. Wir melden uns also die Tage mit Muskelkater wieder.

Alle bisherigen Bilder zu Beijing (etwas unsortiert) finden sich hier.